Einbau Amateurfunkgerät im Polo 6R

Um die Funkaktivitäten meiner XYL zu steigern wurde nach langer Diskussion beschlossen, ein Funkgerät fest in ihrem Auto einzubauen. Dabei wurden folgende Kriterien festgelegt:

  • So unauffällig wie möglich
  • Keine Beschädigungen am Auto (Löcher)
  • Leichte Bedienung, Automatisches Einschalten
  • Alles muss wieder zu 100% in den Originalzustand zurückversetzt werden können

Nach langer Suche ist die Entscheidung auf einen gebrauchten und defekten TM-733 gefallen. Es war eines der wenigen Geräte, dessen Bedienteil sich optimal im Auto integrieren ließ.

Der TM-733 hatte einen bekannten Fehler und ich konnte ihn aufgrund der Hinweise von DK7IN schnell reparieren. Die größte Herausforderung war es, das Gerät im Auto einzubauen.

Das Autoradio im Polo verwendet zwei Antennen im Diversity-Betrieb. Die eine Antenne ist eine normale Stabantenne auf dem Dach und als zweite Antenne wird die Heckscheibe verwendet. Ziel war es nun, die Stabantenne auf dem Dach durch eine Amateurfunkantenne zu ersetzen.

Um festzustellen, wie der Radioempfang mit nur einer Antenne (Heckscheibe) ist, habe ich die Dachantenne abgeklemmt und eine Probefahrt gemacht.

img_20160618_111702Das Radio erkennt automatisch, dass eine Antenne fehlt und schaltet das Antennen-Diversity automatisch ab (ANT 1:OFF).

img_20160618_111636Es hat sich herausgestellt, dass die Einbußen gar nicht so groß sind. Die Empfangsleistung hat etwas abgekommen und vor allem das Fading hat etwas zugenommen. Im Großen und Ganzen ist die Empfangsqualität noch ausreichend. Somit war das Antennenproblem gelöst.

Nächstes Problem war die Integration des Funkgerätes im Auto. Das komplette Gerät durfte aus optischen Gründen auf keinen Fall direkt am Armaturenbrett verbaut werden. Die einzig optisch akzeptierte Variante war, das Bedienteil in der Mittelkonsole zu montieren. Der Transceiver an sich musste in den Kofferraum.
Nun bestand das Problem, wo und wie man am sinnvollsten einen Lautsprecher montiert. Ich habe mich dann dazu entschieden, das Audio-Signal vom Funkgerät mit über den Verstärker vom Autoradio laufen zu lassen. Somit hat man optimale Klangqualität, zwei getrennte Kanäle und muss nirgendwo im Auto einen zusätzlichen Lautsprecher befestigen.

img_20160618_111314Also habe ich das Radio mal schnell geöffnet und die Leiterplatte mit meinen Fingern abgetastet, ob es innerhalb des Radios noch analoge Signale gibt und man ein Brummen hören kann. Dies musste zwangsweise im Auto selbst geschehen, da sich das Radio aufgrund der CAN-Bus Steuerung ohne dem Rest vom Auto nicht einschalten lässt. Als ich mit meinen Fingern in die Nähe des Endstufen ICs gekommen bin, konnte man ein deutliches Brummen aus den Lautsprechern hören.

img_20160618_112824Im Radio ist als Endstufe ein TDA7564. Es handelt sich tatsächlich noch um eine analoge Brückenendstufe. Zu meinem Glück noch sehr altmodisch. Die NF vom Funkgerät habe ich einfach über zwei Koppel-Cs direkt am IC eingespeist. Das Funkgerät hat für 2m und 70cm getrennte Audio Ausgänge. Somit kann ich ohne Probleme das 2m-Band auf den linken und das 70cm-Band auf den rechten Lautsprecher legen.

img_20160618_121653Damit es keinerlei Beeinflussungen oder Masseschleifen gibt, läuft das NF-Signal vom Funkgerät sicherheitshalber über zwei Übertrager.

img_20160618_132028Somit war auch das Problem der Lautsprecher gelöst.

Nächstes Problem war das automatisch Ein- und Ausschalten des Funkgerätes. Bei einem „alten“ Auto könnte man einfach den „Zündungs-Plus“ verwenden. Leider gibt es bei einem halbwegs modernen Auto kein „analoges Zündplus-Signal“ mehr. Will man wissen, ob die Zündung ein oder aus ist, muss man auf dem CAN-Bus mithören und die entsprechenden Datenpakete auswerten. Solche Geräte gibt es im Car-Hifi-Zubehör zwar fertig zu kaufen – wollte ich aber nicht nutzen.

Nächste Möglichkeit wäre, direkt am Zündschloss den mechanischen Kontakt zu finden. Dann hätte man auch ein schönes Signal, mit dem man das Funkgerät ein- und ausschalten könnte. Dazu muss aber die komplette Lenksäule zerlegt werden um an den entsprechenden Kabelbaum zu kommen.

Optimal wäre es, wenn sich das Funkgerät parallel mit dem Radio ein- und ausschaltet. Bei VW lässt sich das Radio auch ohne Zündung einschalten. Da wäre es gut, wenn das Funkgerät auch ohne Zündung nutzbar wäre. Da das Radio ehh schon offen ist, wollte ich das Einschaltsignal für das Funkgerät direkt im Radio abgreifen. Ich habe an allen Elkos, Dioden und Drosseln auf der Grundleiterplatte gemessen. Überall ist nur Dauerspannung zu finden. Der einzige Punkt, an dem ich halbwegs ein Einschaltsignal feststellen konnte, war der Ausgang des Endstufen-ICs. Bei der Endstufe handelt es sich um eine Brückenendstufe. Im eingeschalteten Zustand liegt an den Lautsprecheranschlüssen die halbe Versorgungsspannung. Diese habe ich dann einfach ausgewertet (Tiefpass) und daraus mit zwei Transistoren ein schönes Schaltsignal generiert. Eine Alternative wäre evtl. noch die Hintergrundbeleuchtung des Displays gewesen. Die diese Richtung habe ich aber nicht weiter geforscht.

img_20160618_123140Im Radio gibt es jetzt zwei Modifikationen. Zum einen der zusätzliche NF-Eingang und zum anderen ein geschalteter Ausgang.

img_20160618_124637Es wurden sogar vorhandene Öffnungen im Radio genutzt und keine zusätzlichen Löcher gebohrt.

 

Wie man sieht, funktioniert das Ganze wunderbar. Das Funkgerät läuft schön parallel zum Radio. Macht auch Sinn, da der Ton vom Funkgerät ebenfalls über das Radio läuft.

Technisch war nun soweit alles OK. Nun musste das Funkgerät noch hardwaremäßig ins Auto eingebaut werden.

img_20160618_134515Es soll seinen Platz in der Mittelkonsole in dem Ablagefach ganz vorne finden. Um an die Stelle zu kommen muss fast alles zerlegt werden.

img_20160618_135313Nachdem die Mittelkonsole ausgebaut war, konnte ich einen kleinen Winkel aus Metall biegen, mit dem das Bedienteil befestigt wird:

img_20160618_142112img_20160618_142102An die Stelle kommt man wie gesagt nur, wenn man den halben Innenraum auseinanderbaut. Ich hoffe nur, das Bedienteil geht niemals kaputt.

img_20160618_151057So sieht es das fertig aus:

img_20160618_155309Die Kabel vom Radio, Bedienteil und Mikrofon laufen unter der Mittelkonsole nach hinten unter die Rücksitzbank. Von dort aus gehen sie dann auf die linke Seite weiter in den Kofferraum.

img_20160618_183130Spannungsversorgung kommt direkt von der Batterie. Mit sehr viel Geduld schafft man es, die Kabel parallel zu einem vorhandenen Kabelbaum vom Wasserkasten aus in den Innenraum zu führen.

img_20160618_183213Von der Batterie zum Wasserkasten kommt man nur, indem man den kompletten Luftfilter ausbaut.

img_20160618_190830Auch hier wurden immer vorhandene Durchführungen genutzt und keine neuen Löcher gebohrt.
Die Leitung wird auf der Fahrerseite ebenfalls nach hinten in den Kofferraum geführt.

img_20160618_183106Dort landen alle Leitungen in der Nähe vom Rücklicht. Da der nachgerüstete Schaltausgang vom Radio keine hohen Ströme schalten kann, wird noch ein KFZ-Relais eingebaut, mit dem dann die eigentliche Spannung für das Funkgerät geschaltet wird.

img_20160618_183139img_20160618_203953Die Amateurfunkantenne wird einfach anstelle der originalen Radioantenne verbaut. Das originale Loch ist groß genug für einen PL-Fuß und muss nicht nachgearbeitet werden. Das Antennenkabel läuft in der linken C-Säule nach unten zum Funkgerät.

img_20160618_215555Als Antenne habe ich mich für eine Nagoya S45 entschieden. Die Antenne entspricht von der Länge ungefähr der originalen Radioantenne.

img_20160618_215616Das Funkgerät habe ich mit Kabelbindern einfach an der Kofferraumverkleidung befestigt. Das ist war keine optimale Lösung aber aufgrund des geringen Gewichts des Funkgerätes kein Problem.

img_20160618_202317Das Relais und die restlichen Kabel verschwinden hinter der Verkleidung. Somit ist im Kofferraum nur noch das Funkgerät zu sehen.

img_20160807_154148Somit ist der Einbau abgeschlossen. Die Aktion hat insgesamt ein komplettes Wochenende verschlugen aber dafür alle gesteckten Ziele erreicht.

img_20160807_154128img_20160807_154116img_20160807_154300


Kommentare

Einbau Amateurfunkgerät im Polo 6R — 4 Kommentare

  1. Hallo Jochen,
    auf diesen Bericht kann ich mit nur einem Wort antworten:

    Respekt!

    Ich kann das alles sehr gut nachfühlen…
    Und über die Elektro-Strategie in relativ neuen Autos
    können wir ‘mal auf dem Berg ablassen.

    73, Peter, DL1EIP

  2. Aller erste Klasse.

    ICh kann nachempfinden, was das für eine Arbeit ist.
    In unserem Golf V war es ja auch so eine Friemelarbeit.
    LEider ist unser Golf in die ehwigen Jagdgründe geschickt worden.
    Somit steht mir die gleiche Arbeit nun nochmal in unserem neuen Caddy 3 bevor.
    Neues Radio mit DVB-T und DAB+.
    Dann noch das Funkgerät.
    Hast du nicht einen Tip, wo ich eine Einbauantenne finden kann, die ich eventuell im KFZ einbauen kann, oder eine extrem biegsame Aussenantenne?

    Ich habe nicht vor mit unserem eh schon so gronen Caddy als Autoscooter im Parkhaus herumzueiern.

    MFG DO5BFH

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